Mein etwas anderes Leben

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Leukämie Tag 187

sonja | 14 Juli, 2006 18:26

Warum haben wir heute schon Freitag? Können wir nicht noch eine Woche dran hängen bitte? Ich brauche Urlaub vom Urlaub. Ja ja, ich weiß, genug gejammert, ich erzähle euch, was bei mir so los war.
Also, am Montag habe ich auf Mama gewartet. Sie wollte mich eigentlich sehr früh abholen, aber mir kam es so vor, als würde sie sich diesmal besonders viel Zeit lassen. Mit schreiben war ich fertig, also dachte ich mir, dass ich ja doch schon mal mit Taschen packen anfangen könnte.

Ganz langsam und vorsichtig, dann würde es hinterher schneller gehen. Ich wusste, dass eine kleine Reisetasche im Schrank stand, also stand ich auf und ging ganz vorsichtig dort hin. Ich zog die Tasche raus und stellte sie aufs Bett. Dann ging ich wieder zum Schrank und wollte, aus dem obersten Fach, die Wäsche rausziehen. Ich bin leider nicht sehr groß, also streckte ich mich, um an das Fach zu kommen, aber trotzdem gelang es mir nicht. Ich ging noch ein Stück näher ran und machte mich ganz groß. Autsch, was war das denn? Ich bekam Schmerzen in der Brust und musste Husten. Es tat weh und ich konnte nicht atmen. Ich ging zurück zum Bett und setzte mich. Vielleicht sollte ich doch besser hören, was man mir sagt. Ich warf die Tasche runter, legte mich hin und versuchte mich zu beruhigen. Mama, wo bleibst du denn? Ich will nach Hause. Meine Vorfreude legte sich und ich wurde wieder traurig. Ich hielt mir vor Augen, was ich alles nicht konnte und wo ich jetzt eigentlich sein würde. Ich hätte Ferien und Kata würde irgendwo mit uns hin fahren. Danach käme ich in die 10.Klasse und könnte anschließend Abi machen. Nach meinem Abi, würde ich studieren und dann ein ganz großes Unternehmen führen. Na ja, vielleicht würde ich auch eine Ausbildung als Bürokauffrau machen oder was weiß ich. Auf jeden Fall, würde ich etwas machen. Jetzt kann ich noch nicht mal mehr auf Toilette gehen. Ganz toll!
Endlich kam meine Mama und alle trüben Gedanken waren verflogen. Sie sah die Tasche und schimpfte, aber das war mir egal. Mama war da und jetzt ging es nach Hause. Sie packte meine Tasche, sah nochmal in den Nachtschrank und ins Bett und sagte dann, dass sie die Sachen eben ins Auto bringen würde und mich anschließend abholen kommt.
"Nein, ich will mit. Ich will nicht länger hier bleiben." Doch Mama kannte kein Erbarmen. Ich musste warten, bis sie zurück kam. Ich legte mich beleidigt ins Bett und sagte, dass es mir egal ist. Auch damit konnte ich Mama nicht beeindrucken. Sie nahm die Sachen und ging aus dem Zimmer.
"Beeil dich aber." rief ich noch hinterher.
Für mich kam es so vor, wie eine halbe Ewigkeit, doch in Wirklichkeit, dauerte es vielleicht 15 Minuten, bis alles erledigt war. Mama kam mit einem Rollstuhl zurück und sofort war meine schlechte Laune weg.
"Es geht nach Hause!"
Zuerst musste ich aber doch noch mal auf die Toilette, denn ein bisschen hatte ich Angst, dass ich vielleicht eine nasse Hose bekommen würde oder sogar schon hatte. Natürlich war das nicht der Fall, aber nachdem alles frisch war, fühlte ich mich besser. Und dann ging es los. Als wir am Schwesternzimmer vorbei fuhren, rief ich noch mal zu Schwester Nicole, dass ich endlich nach Hause fahre und auch Schwester Anja und Svenja, eine Erzieherin, freuten sich für mich, sowie einige Eltern, mit denen ich mich manchmal unterhalte. Ich strahlte übers ganze Gesicht und am liebsten hätte ich jedem, der uns entgegen kam, gesagt, dass ich nach Hause fahre. Auf dem Parkplatz war es rappel voll und mich hätte es überhaupt nicht gewundert, wenn es mittlerweile fliegende Autos gegeben hätte, so lange, wie ich schon eingesperrt war. Ich suchte Mamas Auto und bekam gar nicht mit, dass sie vor dem großen Auto stehen blieb.
"Häää,.... warum kommst du denn mit DEM Auto?" fragte ich, als ich das Auto erkannte.
"Ach, habe ich vergessen, dir zu sagen, dass wir gar nicht nach Hause fahren?"
"Wohin denn dann?"
"Zum Wohnwagen!"
Was? Ich konnte kaum glauben, was ich da hörte. Es ging jetzt sofort zur Ostsee? Ich dachte, meine Freude hätte sich nicht mehr steigern können, aber es ging. Ich kletterte aus dem Rollstuhl und umarmte Mama. Ich sprang rum, wie ein kleines Kind und es war mir so egal, was die Leute dachten, die uns zu sahen. Mama versuchte mir zu sagen, dass ich nicht so übertreiben soll, aber ich fühlte mich so gut.
Ich machte es mir im Auto richtig schön bequem. Mama hatte eine kühle Decke auf den Sitz gelegt und dreht den Sitz nach hinten, so dass ich mich hinlegen konnte. Normalerweise lege ich mich auf die Rückbank, aber Mama hat dann Angst, weil ich mich so nicht anschnallen kann. Wenn ich aber in der zweiten Reihe sitze, kann ich den Platz richtig weit nach hinten drehen, so dass es auch bequem ist und ich mich anschnallen kann. Das geht aber nur in dem großen Auto. Wenn Mama mit dem kleinen kommt, kann ich den Sitz zwar runter drehen, aber es ist total unbequem. Für kurze Strecken muss ich mich ja nicht hinlegen, aber bis zur Ostsee, ist es doch ein ganzes Stück.
Als ich lag, dauerte es gar nicht lange, bis ich einschlief und als ich wach wurde, war es schon 2 Stunden später. Es würde noch eine Weile dauern, bis wir ankommen und ich sagte Mama, dass sie mal auf einen Rastplatz fahren sollte. Ich musste eine Runde laufen, weil mir die Beine weh taten. Mama hielt schon kurze Zeit später und ich war froh, dass ich aussteigen konnte. Ich ging ein paar mal hin und her und als ich gerade Mama sagen wollte, dass ich auf Toilette gehen will, hielt direkt neben uns ein Reisebus. Nicht schon wieder so Gaffer, dachte ich, aber diesmal war es nicht so schlimm. Einige Leute stiegen aus und hatten super gute Laune. Ein älterer Mann, lachte die ganze Zeit und machte Späße. Ich blieb an der Autotür stehen und beobachtete die Gruppe. Ich musste darüber lachen, wie albern der Mann war und auf einmal sah er mich an und sagte etwas, das ich bestätigen sollte. Es war mir richtig peinlich, weil ich einfach zugehört hatte, aber er kam dann zu mir und zeigte mir eine Deutschlandkarte. Ich sollte seiner Frau sagen, dass das kein Schnittmuster wäre, doch ich sagte zu dem Mann, dass es eher wie ein Schnittmuster von einem Poncho, mit besonders großem Kragen, aussieht. Er bedankte sich bei mir und sagte, dass es sehr nett wäre, ihm jetzt auch noch in den Rücken zu fallen. Seine Frau lachte und sagte, dass Frauen eben zusammen halten müssen. Irgendwie haben Mama und ich uns dann mit den beiden unterhalten und es war total lustig und so normal.
Als wir dann weiter wollten, sagte ich zu Mama, dass ich aber erst noch auf Toilette wollte, doch Mama sagte, dass sie mir mit Sicherheit nicht erlauben würde, die auch nur zu betreten. Es wäre viel zu gefährlich, wenn ich mir jetzt eine Infektion holen würde. Ich fühlte mich zwar nicht wohl, bei dem Gedanken, bald auszulaufen, aber ich konnte Mama auch verstehen. Und was sagte Schwester Nicole? Es würde eine Ewigkeit dauern, bis eine Windel wirklich voll ist. Mit einem unguten Gefühl, stieg ich wieder ins Auto und wir fuhren weiter. Schnell waren meine Bedenken vergessen und ich genoss die Fahrt. Ich habe Blumen gesehen und wir sind durch Wälder gefahren, an Seen vorbei und es war so schön. Ich habe an gar nichts gedacht, sondern habe mir nur die Landschaft angesehen.
Dann endlich waren wir da. Natalia kam sofort angerannt und ich konnte sie richtig doll in den Arm nehmen und ganz fest drücken. Sie ließ mich gar nicht aussteigen, so sehr freute sie sich. Aber ich mich mindestens genauso, denn sie war wie ausgewechselt. Sie sah kein bisschen traurig aus.
Als wir uns eine Ewigkeit umarmt hatten, ging es ihr nicht schnell genug. Sie wollte, dass ich ganz schnell mit komme, weil sie mir doch etwas zeigen wollte. Ich nahm sie an die Hand und wollte Richtung Wohnwagen gehen, doch das ging ihr nicht schnell genug. Mama hatte in der Zwischenzeit den Rollstuhl aus dem Auto geholt und und Natalia schob ihn mir direkt bis unter den Hintern. Ich musste über Natalia lachen, denn ich freute mich so sehr, dass sie so fröhlich war.
Ich setzte mich in den Rollstuhl und Natalia raste mit mir los. Mama rief uns noch hinterher, dass wir vorsichtig sein sollen und dann waren wir auch schon an den Schranken. Natalia klopfte am Fenster und der Pförtner öffnete die Schranken, weil man mit dem Rollstuhl sehr schlecht durch den Fußgängereingang kam. Die Schranken gingen hoch und Natalia raste weiter. Nach den Schranken, ging es über den Kiesweg weiter und da ging es Natalia fast nicht schnell genug.
Endlich konnte ich den Wohnwagen sehen und auch Oma. Ich stand auf und nahm Oma in den Arm. Es war so schön, sie wieder zu sehen. Natalia wollte, dass ich nach vorne komme und Oma ging mit mir um den Wohnwagen rum. Ich dachte, ich würde ein "Herzlich Willkommen" Schild finden, aber was ich da sah, war einfach nur schön. Oma sagte, dass Natalia die Blumen alle alleine gepflanzt hatte. Überall blaue und gelbe Stiefmütterchen und als ich genauer hin sah, konnte ich sehen, dass sie mit den gelben Stiefmütterchen, in den blauen, meinen Namen geschrieben hat und darunter "ILDFIUE" (=ich liebe dich für immer und ewig). Es war so wunderschön. Ich stand davor und musste weinen, weil ich wieder gemerkt habe, was Natalia alles macht, nur damit ich mich über etwas freue. Ich habe sie in den Arm genommen und Natalia hat mich ganz leise gefragt, ob mir das wirklich gefällt. Oh Gott, jetzt muss ich schon wieder weinen.
Meine tapfere, kleine, starke Maus. Und ob mir das gefallen hat.
Mittlerweile kam auch Mama mit den Sachen und ich rief sie.
"Du hast es gewusst, ja? Aber hast du es auch schon gesehen?"
Nein, Mama hatte es noch nicht gesehen und auch sie war total überwältigt.
Jetzt musste ich aber erst mal ganz schnell auf Toilette. Sie holte aus einer Tasche meine Pflegesachen und Oma ging mit mir in den Wohnwagen. Auf Toilette zeigte sie mir, dass sie extra einen Schrank leergeräumt hatte, damit ich dort alles verstauen konnte. So musste ich nicht immer alles mit rum schleppen. Endlich konnte ich mich frisch machen und meine Sorge, war tatsächlich unbegründet. Ich dachte, ich wäre kurz vorm auslaufen und das schon seit der Raststätte. So wie es aussah, wäre es aber wohl noch lange nicht passiert. Vielleicht war es gut, dass ich an der Raststätte nicht auf Toilette gegangen bin, denn wenn wir jetzt irgendwo hin fahren, dann muss ich nicht ständig Angst haben, dass ich schon nach einer Stunde auslaufe. Die Windelprobe, hatte ich also hinter mir. Noch auf Toilette, merkte ich, dass ich unheimlich müde war. Ich ging sofort in meine Kabine und legte mich ins Bett. Keine 2 Minuten später, war ich am schlafen.
Als ich wach wurde, roch es nach Gegrilltem. Ich hatte einen riesen Hunger und stand auf. Mein Unterbewusstsein, führte mich direkt auf die Toilette, da ich aber nur etwa eine Stunde geschlafen hatte, war schon wieder die Angst da, dass ich auslaufen könnte. Mir war natürlich klar, dass ich nicht jede Stunde die Windel wechseln konnte, darum wusch ich mir nur Gesicht und Hände und ging wieder raus. Natalia kam sofort zu mir und umarmte mich. Ich sagte ihr nochmal, dass ich mich sehr über die Blumen freue und sie strahlte, genauso wie ich, als ich die Klinik verlassen habe.
"Hast du Hunger?" wollte Mama wissen und Natalia zog mich sofort auf den Platz neben sich, in den Schatten. Sie zog sogar den Stuhl vor. Um ihr aber zu zeigen, dass es mir ganz gut ging, machte ich das mit ihrem Stuhl auch und wir beide mussten lachen.
Ich aß eine Bratwurst und Natalia legte die ganze Zeit ihren Kopf an meiner Schulter. Sie war wie ausgewechselt.
Nach dem Essen, kam Oma und fragte mich, ob ich Lust hätte, eine Runde spazieren zu fahren. Ich wollte lieber laufen, aber Oma sagte, dass ich mich nicht am ersten Tag so anstrengen sollte. Sie holte den Rollstuhl und ich versuchte, nicht an die Toilette zu denken.
Wir fuhren durch ein kleines Waldstück und Oma fragte mich, wie es mir geht. Ich sagte ihr, dass ich froh bin, endlich aus der Klinik zu sein.
Oma sagte mir auch, wie oft sie für Natalia losfahren musste, weil immer noch mehr Blumen fehlten. Wir waren noch eine ganze Weile unterwegs und ich war froh, dass Oma wieder bei mir war.
So um 19 Uhr, war er es nicht mehr so warm und wir wollten ans Meer. Ich ging in meine Kabine und guckte, was Mama mir eingepackt hatte. Ich nahm mir ein pinkes Tshirt, das mindestens 4 Meter lang ist, und eine weiße 3/4 Jeanshose. Jetzt wollte ich doch wenigstens ein mal wieder wie ein Mensch aussehen. Als ich die Jeanshose anzog, musste ich leider feststellen, dass Hüfthosen nicht Windelgeeignet sind. Es sah zum schießen aus. Ich zog das Tshirt drüber, doch auch so, fühlte ich mich total unwohl. Ach Mama, gibt es keine Korken oder so etwas? Ich nahm wieder meine Jogginghose und fühlte mich besser. Es soll ja auch ganz nette Jogginghosen geben.
Wir fuhren ans Meer, da ich aber nicht wieder so lange fahren wollte, blieben wir bei uns in der Nähe. Es gab dort zwar keinen Strand, aber eine ganz lange Wiese. Natalia und ich, legten uns zusammen auf eine Decke und konnten direkt aufs Meer sehen. Noch vor ein paar Tagen, hätte ich nie gedacht, dass ich so schnell wieder glücklich sein kann.
Am Abend, gab es dann noch einen Höhepunkt. Mama fragte mich, worauf ich denn Hunger hatte. Pizza! Sie fuhr los und holte für alle Pizza, aber was noch besser war, sie brachte mir einen Milchshake mit. Es schmeckte super lecker und es war ein richtig lustiger Abend. Aber dann fiel mir auf, dass Natalia gar nicht aß. Sie schob alles nur von einer Seite auf die andere und ich fragte sie ganz leise, ob sie keinen Hunger hätte. Sie schüttelte den Kopf und ich sagte, dass wir unten auf der Wiese weiter essen würden. Wir nahmen unsere Pizzen und die Milchshakes und setzten uns ziemlich weit vom Tisch auf eine Decke.
Irgendwann waren Mama und Natalie verschwunden, also ging ich in den Wohnwagen, um nach den beiden zu sehen. Mama lag bei Natalia in der Kabine und Natalia genoss es, mit Mama zu schmusen. Ich ging genauso leise wieder raus und freute mich für Natalia. Leider hatte Mama so wenig Zeit für sie und alles nur wegen mir.
Der Tag war ziemlich anstrengend und ich machte mich schon ziemlich früh bettfertig. Ich suchte mein Buch und legte mich hin. Der Urlaub kam gerade richtig. Ich laß noch eine halbe Stunde und machte dann das Licht aus.
Als ich wach wurde, war es dunkel. Ich merkte, dass jemand am Bett stand und machte ganz schnell Licht. Ich mag es nicht, wenn ich nicht weiß, wer bei mir ist. Natalia stand da und ohne was zu sagen, kroch sie zu mir ins Bett. Ich machte das Licht wieder aus und Natalia sagte, dass sie mich ganz doll lieb hat. Dann rutschte sie ganz nah zu mir. Schlafen konnten wir beide nicht und dann unterhielten wir uns. Es war ein ganz tolles Gespräch, das ich mit niemandem teilen möchte.
Dienstag beim Frühstück, überlegten wir, ob wir einen Stadtbummel machen sollen oder besser nicht. Mama wusste, dass ich zur Zeit nicht so gerne unter Menschen bin, darum überließ sie mir die Entscheidung. Natalia sah mich mit ganz großen Augen an und nickte immer. Ich sagte, dass ich keine Lust hätte, immer entscheiden zu müssen, ob wir das eine oder das andere machen und dass diesmal Natalia entscheiden muss. Mama fragte Natalia, was sie denn davon halten würde und sie war total begeistert. Natalia musste nun auch entscheiden, wohin wir fahren und eigentlich war es schon vorher klar. Natürlich dort hin, wo es die meisten Geschäfte gab. So war es dann auch. Da wir den ganzen Tag unterwegs sein würden, musste ich auch genug Pflegesachen mitnehmen. Mama fragte mich, ob ich eine ganze Woche verreisen wollte, wir wären doch am Nachmittag wieder da. Ja, aber es kann ja mal was passieren und dann stehe ich da. Wir einigten uns darauf, ein viertel von dem mitzunehmen, was ich eigentlich mitnehmen wollte. Der Rollstuhl musste auch mit und dann konnte es los gehen. In der Stadt, schob Natalia den Rollstuhl und wir klapperten sämtliche Geschäfte ab. An die Blicke, habe ich mich schnell gewöhnt und es war mir wichtiger, mit Natalia Spaß zu haben. Meine Radiergummisammlung kam natürlich nicht zu kurz und ich habe einige tolle Teile gefunden. Mein besonderer Schatz, war ein Duftradiergummi, das nach Kaugummi duftet. Ich habe mir auch noch ein paar lange Tshirts gekauft und eine Jogginghose. Natalia hat sich einen Diddlblock, Schuhe und eine Lampe gekauft. Ich glaube, Natalia und ich, wir sind überall aufgefallen, aber nicht wegen dem Rollstuhl und meiner Glatze, die man ja trotz Tuch sehen kann, sondern weil wir so rumgealbert haben. Wir haben nur Mist gemacht. In einem Spielzeuggeschäft, haben wir ein Autorennen veranstaltet und ich habe sie in einem Plastikhaus für kleine Kinder eingesperrt. Dann habe ich sie mit diesen Quaselpuppen beworfen, die auf Druck reagieren und in der Möbelabteilung, haben wir eine Kissenschlacht gemacht. Da hat sogar ein Verkäufer mitgemischt. Es war so klasse. Um 14 Uhr, wollten wir uns mit Mama und Oma treffen, denn wir wollten vorher alleine los ziehen. Wenn nichts vereinbart war, treffen wir uns immer vor dem höchsten Gebäude, innerhalb des Einkaufszentrums. Wenn der andere nach 15 Minuten nicht aufkreuzt, weil er wo anders wartet, gehen wir zum Auto. Das machen wir aber nur, wenn das Auto nicht so weit geparkt werden muss. Es ist ziemlich witzig, wenn wir das Gebäude mit dem höchsten Dach suchen. Wir waren also draußen und sahen nach oben und eindeutig war die Kirche das höchste Gebäude. Mama und Oma waren schon da, als wir ankamen. Wir hatten alle Hunger und so gingen wir in ein Kaufhaus, die ein Restaurant hatten und
suchten auf der Karte, nach unseren Lieblingsessen. Ich wollte natürlich Reis mit Hühnerfrikassee und Natalia Pommes mit Backfisch. Mama und Oma bestellten sich auch Fisch. Das Hühnerfrikassee schmeckte nicht so gut, wie das von Mama, aber es ging. Da wir noch etwas ans Meer wollten, entschlossen wir uns, zurück zu fahren. Auf Toilette ging ich erst im Wohnwagen und wieder sah ich, dass ich mir viel zu viele Sorgen gemacht hatte. Ich machte mich frisch und dann fuhren wir an die gleiche Stelle, wie am Vortag. Natalia und ich legten uns wieder auf die Decke und wollten es uns gut gehen lassen. Wie es meistens so ist, musste ich ausgerechnet da auf Toilette. Das erste Problem war, dass es dort keine gab und das zweite Problem, es wäre nicht gerade hygienisch, wenn man sich wie ein Hund verhält. Oma und Natalia blieben dort und Mama und ich fuhren zum Wohnwagen. Da wartete das dritte Problem. Der Pförtner war nicht da und so konnten die Schranken nicht geöffnet werden. Wenn ich aber aufstehen und bis zum Wohnwagen laufen würde, dann wäre alles zu spät. Mir blieb nichts anderes übrig und als ich am Wohnwagen an kam, war ich ein kleines Häufchen Elend. Mama musste draußen bleiben und ich rief ihr zu, dass sie den Hahn umlegen sollte. Ich musste unbedingt duschen. Auch als ich wieder frisch war, hatte ich keine Lust mehr, mitzufahren, denn es war mir zu warm. Ich wollte mich hinlegen, denn ich war auch total müde. Mama sagte, dass sie bei mir bleiben würde, so könnte sie noch einiges aufräumen. Ich kuschelte mich ins Bett und schlief auch prompt ein.
Als ich wach wurde, war es ganz still. Ich blieb liegen und genoss die Ruhe. So ließ es sich aushalten. Ich musste an Papa denken und wie schön es war, als er mich in den Arm genommen hat. Schade, dass er so viel arbeiten muss.
Als ich so in Gedanken war, kitzelte etwas an meiner Nase und sofort sprang ich auf und schlug es, was auch immer es war, vom Gesicht. Im Wohnwagen kamen schon mal kleine Besucher, aber diesmal war es Blut. Ich war ganz erschrocken, doch dann sah ich, dass es nur Nasenbluten war. Ich nahm ein Taschentuch und wartete, dass es wieder aufhörte. Nach 15 Minuten, blutete es immer noch und ich ging zu Mama. Sie war sofort besorgt und wollte, dass ich mich auf die Bank setze. Dann holte sie ein Kühlpack und legte es mir in den Nacken. Es dauerte nicht lange, bis es aufhörte. Mama fragte mich, wie ich mich fühle, aber es ging mir gut. Noch während sich Mama sorgen machte, kamen Natalia und Oma zurück. Als Natalia die Taschentücher sah, bekam sie gleich einen riesen Schreck. Ich beruhigte sie und sagte, dass es halb so wild war. Mama machte Abendbrot und dann spielten wir Kniffel. Es war mal wieder richtig lustig und wir merkten gar nicht wie schnell die Zeit verging. Als es zu dunkel und sämtliche Mücken vom Licht angezogen wurden, hörten wir auf. Oma hatte gewonnen, dann kam Natalia, ich und verloren hatte Mama. Bevor ich mich bettfertig machte, ging ich noch mal zu den Blumen, auch wenn ich kaum etwas erkennen konnte. Oma kam zu mir und wir redeten über alles mögliche.
Am Mittwoch wurde ich schon sehr früh wach. Es war noch dunkel draußen. Als ich mich hin setzte und versuchte, wach zu werden, merkte ich plötzlich etwas, dass ich kaum glauben konnte. Ich muss! Ich muss für kleine Mädchen! War das ein tolles Gefühl. Es funktioniert wieder. Ich sprang aus dem Bett und wollte gerade auf Toilette rasen, als es schon zu spät war. Es war das erste mal, dass ich wieder was gefühlt habe. Wenn es so weiter geht, dann wird ja doch wieder alles normal. Obwohl es nicht bis zur Toilette gereicht hatte, war ich glücklich. Windeln ade, bei dem Wetter ist es damit nicht nur unangenehm, sondern auch noch viel zu warm. In der Klinik ist es kühl, da fiel es nicht weiter auf, aber draußen hat man das Gefühl, als würde man mit einer Decke rum laufen.
Am Mittwoch fuhren Mama und ich schon so früh zur Klinik, als es draußen noch dunkel war. Ich schlief im Auto weiter und als ich wach wurde, waren wir schon fast da. Als wir dann auf den Parkplatz fuhren, blieb ich sitzen.
"Irgendwann gehst du hier raus und bist ganz gesund." Mama wusste, was mir durch den Kopf ging. Werde ich wirklich gesund? Immer öfter, kam mir der Gedanke, dass ich es nicht schaffe. Würde mir mein Arzt wirklich sagen, dass es jetzt besser wäre, aufzuhören, wenn es so sein sollte? Wäre ich dann noch in der Lage, irgendetwas zu tun oder wäre ich so schwach, dass ich eigentlich nur noch auf den Tod warten würde?
Wir gingen in die Ambulanz, wo es wie immer rappelvoll war. Ich musste etwas warten, bis ich dran war und dann wurde mir Blut abgenommen. Die Schwester sagte, dass ich noch in den zweiten Behandlungsraum gehen sollte, damit die Fäden gezogen werden können. Da es aber so voll war, sagte sie, dass wir vorher vielleicht noch in die Cafeteria gehen können und in einer halben Stunde wieder kommen. Das machten wir auch. Wir gingen in die Cafeteria und Mama trank einen Kaffee. Ich wollte ein Wasser haben und sagte dann, dass ich eben auf die Station gehe, denn ich wollte mich doch schnell bei euch melden. Nachdem ich kurz mit Schwester Nicole gesprochen hatte, setzte ich mich an einen der Computer und vergaß fast wieder die Zeit. Mit etwas Verspätung, ging ich wieder runter und Mama und ich gingen zum Behandlungsraum. Ich musste noch 10 Minuten warten und wurde dann rein gerufen. Die Ärztin sagte, dass sie sich mal die Narbe ansehen wollte und so zog ich das Tshirt aus und legte mich auf die Liege. Sie sah sich die Narbe an und sagte, dass die Fäden gezogen werden könnten. Mit eine Pinzette und einer Schere, zog sie Faden für Faden raus. Nur an der Stelle, die etwas entzündet war, musste sie etwas mehr zuppeln. Es tat nicht weh und hinterher hatte ich das Gefühl, als wäre die Spannung raus. Das Blutergebnis war noch nicht da und so ging ich noch mal auf Station und schrieb zu ende, was ich begonnen hatte.
Ich verabschiedete mich von Schwester Nicole und Schwester Isabelle und ging zu Mama. Das Ergebnis war da und wir konnten gehen. Wir fuhren nach Hause und da legte ich mich erst mal hin. Ich war so müde, als hätte ich stundenlang nicht mehr geschlafen. Natalia und Oma wollten Morgen nach kommen.
Gegen 15 Uhr, wurde ich wach. Ich hatte über eine Stunde geschlafen und jetzt musste ich zu Kata gehen.
Es tat richtig gut, sie zu sehen und es gab so viel zu besprechen. Wir mussten über Dinge reden, die mich lange Zeit nicht los gelassen haben. Es war ein schwieriges Gespräch, aber hinter her, war ich froh, dass wir wirklich über alles geredet haben.
Als ich abends nach Hause ging, fühlte ich mich viel besser.
Zuhause habe ich es mir noch mit Mama im Wohnzimmer gemütlich gemacht. Wir kuschelten uns auf die Couch und Mama erzählte mir von früher. Während sie mir erzählte, schlief ich ein. Ich lag bei Mama im Schoß und fühlte mich so gut.
Später am Abend, verzog ich mich in mein Zimmer. Oma und ich wollten am nächsten Tag Leos Grab besuchen. Ich setzte mich an den Schreibtisch und holte einen Block aus der Schublade. Dann schrieb ich ihr einen Brief. Ich schrieb ihr alles auf, was ich ihr so gerne noch sagen wollte. Ich holte auch noch die Zeichnung von dem nackten Mann raus, worüber wir so gelacht haben. Die steckte ich, zusammen mit dem Brief, in einen Umschlag.
Als ich fertig war, ging ich wieder ins Wohnzimmer. Mama war gerade dabei, Abendbrot zu machen, als das Telefon klingelte. Es war bestimmt Papa. Ich hatte es irgendwie im Gefühl, doch mein Gefühl täuschte mich.
"Hallo Sonja, hier ist Sascha."
Mit ihm hatte ich jetzt überhaupt nicht gerechnet, aber trotzdem freute ich mich, mit ihm zu reden. Mama kam rein, um zu fragen, wer es war und als ich es ihr sagte, grinste sie. Ich schmiss einen Pulli nach ihr und sie ging wieder raus. Mütter! Was die immer gleich denken!
Wir sprachen über eine Stunde und Sascha wollte mich nächsten Tag besuchen. Da ich aber mit Oma zum Friedhof wollte und danach sicher total traurig sein würde, wollte ich es nicht und so verschoben wir es, bis nach dem nächsten Chemoblock.
Nach dem Gespräch, ging ich in die Küche.
"Hast du aber rote Wangen. Das muss ein sehr aufregendes Gespräch gewesen sein."
"Mama!"
"Hatte ich dir eigentlich gesagt, dass Sascha fast jeden Tag anrief, als du operiert wurdest?"
"Ja ja...."
"Tatsächlich, er hat sich Sorgen gemacht."
Sascha..... ich merkte gar nicht, dass ich am grinsen war. Erst, als Mama mich darauf ansprach, was denn so lustig wäre, fiel es mir auf. Natürlich sagte ich ihr nicht, was mir gerade durch den Kopf ging. Und überhaupt. Wenn Kata mit liest, dann liest Sascha vielleicht auch mit??????
Das Abendbrot hätte schon fast eine Nachtmahlzeit werden können. Mama und ich saßen am Tisch ( wo auch sonst?) und ich stopfte mich mit ihrem Salat voll. Keiner kann den so gut machen, wie Mama. Ich muss allerdings sagen, dass es in der Klinik abends auch einen Reissalat gibt, der sehr lecker ist. So einen Salat kannte ich vorher gar nicht. Reis mit Thunfisch und Erbsen. Da ist noch mehr drin und der wird kalt gegessen. Lecker!
Ich bin sehr spät ins Bett gegangen, aber nicht in meins, sondern in Mamas. Um 4 Uhr, war ich allerdings hellwach und ich schlich leise in mein Zimmer zurück. Ich machte Licht und setzte mich aufs Bett. Dann sah ich mir mein Zimmer an. Ich musste mir alles genau einprägen.
Wenn ich Freitag in die Klinik gehe, dann mache ich das, mit einem guten Gefühl.
An was hat Leo wohl vor ihrem Tod gedacht? Sie hat mir nie gesagt, was sie nach der Therapie machen wird. Wenn wir uns unterhalten haben, dann hat sie mir immer aus der Vergangenheit erzählt. Manchmal hatte ich das Gefühl, als würde sie ihr ganzes Leben nochmal durchgehen. Einmal hat sie mich gefragt, wie ich mir den Tod vorstelle und es war ihr ganz wichtig. Ich weiß es nicht. Vielleicht ist das Leben eine Bewährungsprobe. Eigentlich ist sterben gar nicht so schlimm. Alle müssen doch irgendwann sterben und mein Leben war ja eigentlich sehr schön. Wenn ich sterbe, dann habe ich sogar Mama an meiner Seite sitzen. Sie begleitet mich, bis zum Ziel, auch wenn ich den letzten Schritt alleine machen muss. Angst macht mir das sterben nicht mehr. Ich hätte aber gerne noch etwas Zeit, weil ich mich doch auch mal verlieben will. So richtig mit Schmetterlinge im Bauch. Mehr will ich gar nicht.
Na ja, das waren so Sachen, die mir durch den Kopf gingen und es waren keine traurigen Gedanken. Vielleicht werde ich wieder gesund, schon möglich, aber auch die andere Möglichkeit darf ich nicht vergessen.
Ich nahm mir dann meine Radiergummis und wühlte darin. Alles kleine Schätze. Die, die in der Kiste sind, habe ich sogar vorher abgeschruppt. Die, die in der Tüte sind, muss ich noch machen. Da sind schon wieder eine Menge dazu gekommen. Wollt ihr meine Sammlung mal sehen? Das ist meine ganze Sammlung:

Und das hier, sind meine Lieblingsradiergummis. Da wäre einmal die Bulldogge:

Das weiße Radiergummi, mit den blauen Sternen, ist mein liebstes Duftradiergummi. Es riecht einfach nur schön. Das rosafarbene unter dem Kroko, riecht nach Kirsche.... richtig lecker! Die blaue Snoopy-Flasche, riecht nach Traube und das rote rechts daneben, das riecht nach Cola. Die beiden Dosen vorne, sind aus Japan.

Das hier sind die Radiergummis, die ich noch reinigen muss:

Dann habe ich noch eine Stiftesammlung, aber die benutze ich auch, im Gegensatz zu den Radiergummis. Eigentlich ist es blödsinn, etwas zu sammeln. Man kann es doch sowieso nicht mitnehmen. Aber andereseits konnte ich mich oft daran freuen.
Irgendwann bin ich wieder eingeschlafen.
Ich schlief sehr lange. Als ich wach wurde, war da wieder das Gefühl, dass ich auf kleine Mädchen muss. Ich blieb liegen und überlegte, wie ich es anstellen konnte, dass ich rechtzeitig auf die Toilette kam. Ich versuchte, ganz bewusst "anzuhalten" und setzte mich ganz langsam hin. Jetzt musste ich aufstehen und auch das machte ich sehr langsam. Ja keine schnellen Bewegungen machen, das war gestern morgen nicht so gut. Ich stand und konnte immer noch anhalten, als ich jedoch die ersten Schritte machte, war es vorbei. Es war aber schon besser, als gestern.
Ich ging duschen und wollte Frühstücken. Als ich runter kam, hörte ich Natalia. Die waren auch schon da? Wie spät war es denn? Es war fast 12 Uhr. Oma hatte sich etwas hingelegt, denn sie musste ja gerade noch die lange Strecke fahren.
Mama hatte Brötchen geholt und ich verdrückte ein ganzes Brötchen und ein halbes Hörnchen mit dick Butter.
Um 14 Uhr, fuhren Oma und ich zum Friedhof.
"Was hast du denn genau vor?" Fragte sie mich, als wir los fuhren. Ich erzählte ihr von dem Brief und von der Zeichnung und dass ich das auf ihr Grab legen möchte.
"Vielleicht schickst du es ihr direkt zu. Ich habe da eine Idee."
Sie fuhr in die Stadt und bevor sie ausstieg, wollte sie wissen, was Leos Lieblingsfarbe war.
"Lila"
Dann sagte sie, dass sie schnell wieder da wäre und verschwand. Jetzt war ich neugierig, denn Oma hatte immer so gute Ideen.
Es dauerte nicht lange, da war Oma wieder da. In der Hand, hatte sie einen Luftballon, der mit Gas gefüllt war und einen wasserfesten Stift. Der Ballon war in lila. Oma war einfach klasse. So würde Leos Mama den Brief nicht finden.
Als wir an kamen, sagte Oma, dass ich auch drauf schreiben sollte, für wen der Ballon ist. Ich schrieb also Leonies Namen drauf und wir suchten die Kindergräber. Es wurden wohl in der letzten Zeit viele Kinder beerdigt, denn es sah so frisch aus. Wir fanden Leos Grab sehr schnell und man konnte nicht übersehen, wie traurig ihre Mama sein musste.
"Kleine Leo, du fehlst mir."
Oma ließ mich einen Moment alleine und nachdem ich sah, dass keiner in der Nähe war, setzte ich mich auf den Boden und sprach mit ihr. Ich glaube, sie wäre mir nicht böse, weil ich nicht auf die Beerdigung kommen konnte. Als Oma zurück kam, öffnete ich den briefumschlag und nahm den Brief raus. Eigentlich habe ich ihr alles gesagt, was ich aufgeschrieben hatte, darum nahm ich nur die Zeichnung und machte sie an den Ballon fest.
"Bring das Bild zu Leo." sagt ich und ließ den Ballon los. Es war ganz windstill und so konnte ich dem Ballon noch lange nach sehen.
".... und lach nicht wieder so laut."
Erst, als ich nicht länger hoch sehen konnte, bemerkte ich, dass wir beobachtet wurden. Ich schnappte mir Omas Arm und langsam gingen wir zum Auto zurück. Ich fühlte mich gut. Keine Ahnung, wo das Bild hingeflogen ist, aber ich bin mir sicher, dass sie es vorher gesehen hat.
Auf dem Rückweg, hielten wir irgendwo, um 4 Milchshakes zu holen und dann ging es nach Hause.
Jetzt konnte der Freitag kommen. In der Nacht auf Freitag, ließ ich das Fenster auf. Es war eine so schöne Nacht und ich konnte direkt in den Himmel sehen. Noch immer war ich nicht traurig, weil die schöne Zeit nun vorbei war, aber eins musste ich doch noch tun. Ich stand auf und setzte mich an den Schreibtisch. Dann holte ich mir den Block raus und schrieb einen Brief. Der Brief sollte für Natalia sein und ich legte ihn in meine Radiergummis. Wenn was passieren sollte, dann würde ich vielleicht nicht mehr dazu kommen. Dann ging ich wieder ins Bett.
Mama weckte mich sehr früh, denn es sollte heute die Knochenmarkpunktion gemacht werden. Wieder das Gefühl, als müsste ich auf kleine Mädchen. Warum immer nur morgens? Ich wiederholte das Spiel vom Vortag, doch wieder kam ich nicht sehr weit. Wahrscheinlich hatte ich viel zu wenig Geduld. Ich ging duschen, was man sich übrigens nicht so einfach vorstellen darf. Duschen kann ich nur von der Hüfte abwärts. Den Rest, muss ich am Waschbecken erledigen, weil ich doch den Hickman habe.
Bevor wir los fuhren, nahm ich mir noch einen Zettel und schrieb darauf:
"Natalia, ich hab dich lieb! Danke, für die schöne Woche!"
Dann ging es los. Mama wollte wissen, ob ich Angst hätte oder traurig wäre, aber beides beantwortete ich mit nein. Erst als wir auf dem Parkplatz ankamen, kam die Angst hoch. Eigentlich wusste ich doch, was auf mich zu kam, aber trotzdem habe ich vor jeder Punktion Angst.
Wir gingen zur Aufnahme, wo mir erst mal wieder Blut abgenommen wurde. Die Schwester sagte, dass ich richtig erholt aussehen würde. Wir gingen hoch auf Station, desinfizierten uns und gingen ins Schwesternzimmer. Schwester Pia war da und wir mussten uns erst mal umarmen. Ich mag sie am liebsten. Nachdem wir kurz geredet haben, sagte sie mir, in welches Zimmer ich komme. Als ich mit Schwester Pia redete, sah ich, dass wir wieder eine Neuaufnahme hatten. Im Flur stand ein Mädchen, etwa 10 Jahre alt und ihre Eltern. Das Mädchen klammerte sich an ihre Mutter und sah ganz ängstlich aus. Ihre Eltern sahen sich alles an, was man eben von dieser Stelle aus sehen konnte. Sie hatten beide verweinte Augen. Ich weiß noch, wie ich hier ankam. Das war so schlimm, weil ich überhaupt nicht wusste, was auf mich zukommen würde. Genauso wie jetzt wahrscheinlich das Mädchen dort. Als ich wusste, in welches Zimmer ich komme, ging ich wieder zu Mama, denn sie hatte ja die Taschen. Ich musste an das Mädchen vorbei und sie sah mich mit ganz großen Augen an.
"Hallo! Du bist heute das erste mal hier, richtig?"
Das Mädchen nickte, sagte aber nichts.
"Die sind hier alle sehr nett." sagte ich noch und ging weiter. Als ich fast bei Mama war, rief mich Schwester Pia zurück.
"Du musst gleich zum EKG."
Na toll, kaum war ich wieder da, ging der ganze Mist auch schon los.
Ich sagte, dass ich Mama eben bescheid sage und mich umziehe und ging dann mit Mama in mein Zimmer. Ich hatte das gleiche Zimmer, wie vorher auch schon und wieder lag ich alleine.
Schnell zog ich mich um und ging in den Behandlungsraum. Wolfgang war in dem Raum und bereitete das Gerät vor.
"Na du Honigbine, hast du einen schönen Urlaub gehabt?"
"Oh ja, leider war er viel zu kurz."
Ich setzte mich auf die Liege und zog das Tshirt aus. Dann legte ich mich hin und Wolfgang sagte, dass er Schwester Alex rein schickt.
"Nein, ist schon in Ordnung."
"Das weiß ich. Aber du sollst dich doch wohl fühlen."
Er machte die Tür zu einem weiteren Behandlungsraum auf und rief Schwester Alex ins Zimmer. Auch sie fragte mich, wie mein Urlaub war und Wolfgang verschwand in den anderen Raum. Ich erzählte ihr von Natalias Überraschung und sie war ganz gerührt.
Das EKG würde sich gleich der Arzt ansehen und so lange sollte ich noch in meinem Zimmer warten. Danach sollte ich dann zur Punktion.
Ich ging wieder zu Mama. Sie war schon dabei, meine Sachen einzuräumen. Ich holte mir die Tasche mit dem Computer und setzte mich damit aufs Bett. Schließlich wollte ich doch noch etwas schreiben und wer weiß, wie ich mich nach der Punktion fühle. Ich weiß noch nicht, ob ich ohne Sedierung machen will. Es dauerte noch eine Weile und ich konnte doch schon einiges schreiben, bevor mein Arzt kam. Ich strahlte ihn an und musste ihm alles von meinem Urlaub erzählen. Er nahm sich auch die Zeit und hörte zu, das finde ich klasse. Er interessiert sich wirklich dafür, wie es mir geht. Bei ihm habe ich nicht das Gefühl, als wenn er nur so tut. Ich finde es auch gut, dass er nicht nur mit Mama redet und dabei so tut, als würde ich gar nicht da sein.
Als wir eine Weile gequatscht haben, sagte er mir, dass das Ergebnis vom EKG soweit ganz gut wäre. Dann sollte ich mich für die Punktion fertig machen. Ich ging auch nochmal zur Toilette und machte mich frisch. Ich sollte auf eine Schwester warten, also setzte ich mich wieder an den Computer und schrieb weiter.
Irgendwann kam Schwester Alex rein und wollte mich zur Punktion bringen. Ich verabschiedete mich von Mama und sagte, dass sie jetzt ruhig nach Hause fahren könnte, denn ich würde sicher den halben Tag schlafen. Das machte sie dann auch und ich ging mit der Schwester mit.
Eine andere Schwester gab mir einen kleinen Becher mit einer dickflüssigen Flüssigkeit, die ich trinken sollte. Ich entschied mich aber dagegen, denn ich wollte nicht nur schlafen. Als ich auf der Liege lag und die Betäubung für den Einstich bekam, hatte ich doch etwas Angst. Vielleicht hätte ich doch lieber schlafen sollen. Und dann ging es auch schon los. Diesmal war es so schlimm, dass mir die Tränen liefen. Mir wurde ganz übel und eine Schwester musste sofort den Blutdruck messen. Hinterher war ich so erschöpft, dass ich doch einschlief, aber es war ganz gut, denn nach der Punktion, muss ich mich auf den Sandsack legen und das ist auch ein blödes Gefühl.
Als ich mich im Bett wieder hinsetzen konnte, nahm ich mir den Computer und schrieb fast so lange, bis es Abendbrot gab.
Bevor ich gleich Abendbrot esse, setze ich meinen Urlaubsbericht bei Kulando rein. Ich habe euch lange genug auf die Folter gespannt. Und jetzt heißt es Daumen drücken, damit das Ergebnis sich sehen lassen kann. Ich habe doch etwas Angst...

Kommentare

Kommentar Icon Bin ich mal ERSTER? :)

Laura | 14.07.2006, 18:53

Hab bisher nur die tollen bunten Bilder gesehen, les jetzt alles in Ruhe durch!
Freu mich schon!;)
Wollte nur mal ERSTE bei den Kommentaren sein;)

Kommentar Icon Ich bin Zweite *hihi

Laura Rosenplenter | 14.07.2006, 19:00

Hallo Sonjamaus,
freute mich auch schon sehr auf Deinen ausführlichen Bericht, hier steht jetzt ein großes Glas Orangensaft und nun lese ich....
Sei lieb gegerüßt
Laura Rosenplenter

Kommentar Icon hallo sonja,

sanne | 14.07.2006, 19:40

ich bin die 2. hihihi! ich habe mit spannung deinen bericht erwartet und da ist er. ich finde es super das du dich so schön erholt hast und ein bischen kraft getankt hast. die sache mit deinem papa, wird, wenn ihr miteinander sprecht bald behoben sein. ich kann ihn sicher verstehen, aber sich nun komlett zu entziehen ist auch nicht der richtige weg. gut, jeder geht sicher damit anders um aber er darf auch nicht vergessen, das du sehr darunter leidest das er so reagiert. gut, liebe sonja ich wünsche dir von herzen gute ergebnisse bei der punktion. halt die ohren steif...ich freu mich bald von dir zu lesen..
lg sanne

Kommentar Icon Die schönen Tage hattest du dir mehr als verdient!

Laura | 14.07.2006, 20:16

Hallo Sonja,
jetzt hab ich deinen Bericht mit kleinen Unterbrechungen, wie Telefonklingeln,etc. ganz gelesen! Ich bin begeistert! Und du hattest ja gleich 2 Überraschungen! Erstens, dass es an die wunderschöne Ostsee geht und zweitens den unglaublich lieben Blumengruß deiner so süssen und bemühten Schwester Natalia! ;) Das freut mich beides unglaublich für dich! Ich finds so unsagbar toll wie deine Familie zusammen hält und wie schön das immer zu sein scheint! Freut mich sehr sehr sehr für dich!
Auch dein Papa wird sich bald bei dir melden! Sicherlich hat er viel zu tun und muss das Ganze vielleicht erstmal ein bisschen verdauen. Kenn sowas auch von meinem Papa. Mach dir da mal keine Sorgen! Du wirst sehen die Sorgen machst du dir umsonst!

Ich kann mir vorstellen wie schön es für dich war all die Wiesen, Blumen und Wälder zu sehen! Ich hoffe, du hast die Bilder alle ganz fest aufgesaugt und kannst jetzt immer daran zurück denken!

Unglaublich stolz bin ich auf dich, weil du so grossen Mut bewiesen hast und zu Kata gegangen bist um mit ihr zu sprechen! Dazu gehört meiner Meinung nach ne Menge! Ausserdem bin ich sehr froh, dass es dir nach diesem versöhnenden und klärenden Gespräch besser geht!

Deine Radiergummi Sammlung ist mehr als beeindruckend! Ich habe auch ein paar seltene Radiergummnis, die aber bei dir sicher mehr Achtung bekommen würden.
Ich werde sie jetzt mal mehr in Ehren halten! Vielleicht kann ich sie dir ja mal irgendwie zukommen lassen?!

Für die Ergebnisse der Punktion drück ich dir sowieso die Daumen! Und das gaaaaaaanz fest!!! ;) Wird schon ein gutes Ergebnis sein!
Und als letztes muss ich noch loswerden, dass du wirklich grosse Fortschritte zu machen scheinst! Bezüglich der Sache "für kleine Mädchen"! Ich hoffe, dass es noch viel besser wird, aber ich denke du brauchst noch ein bisschen Geduld!

Liebste Grüsse und noch was zu dem Mädchen (Neuankömmling auf Station): Find ich toll, dass du sie angesprochen hast und Sonja, denke immer daran wie weit du schon bist! Du hast schon so viel hinter dir! Den Rest schaffst du auch noch! Wie deine Mama sagte, irgendwann gehst du hier raus und das gesund!

Kommentar Icon p.s. radiergummis

Laura | 14.07.2006, 20:22

Guck mal hier:

http://www.radiergummis.de/

Kommentar Icon Da bist du wieder

Bea | 14.07.2006, 20:58

Liebe Sonja,

danke für deinen ausführlichen Bericht. Du hast so viel erlebt und erledigt in diesen wenigen Tagen, alle Achtung, was du da alles auf die Beine stellst.

Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass dieser Chemoblock dich nicht so sehr belasten wird und dass du dann in eine längere Pause gehen kannst, ohne solche "Zwischenfälle" wie die schreckliche Herz-OP.

Ich kenne deinen Vater nicht, aber sein Verhalten gibt mir zu denken. Das Wenige, was du über ihn geschrieben hast, lässt mich vermuten, dass er ein sehr sensibler Mensch ist, der es aber nicht so leicht hat, mit seinen Gefühlen umzugehen. Ist nur so ein Gedanke, vielleicht liege ich da auch daneben.

Sprich doch mal mit deiner Mam darüber.

Alles Gute

Bea

Kommentar Icon Hi Sonja

Andreas | 14.07.2006, 20:59

Habe gerade deinen langen "Urlaubsbericht" gelesen. Schön das es dir so gut geht und du so schöne Tage mit deiner Familie verbracht hast. Ich drücke dir ganz feste alle Daumen und Zehe das das Ergebnis gut ausfällt.

Liebe Grüsse Andreas

Kommentar Icon Mööönsch

Ursel | 14.07.2006, 20:59

hast du wieder viel geschrieben. Bin gespannt.

Kommentar Icon Dein Urlaub

Ursel | 14.07.2006, 21:37

war ja wirklich erlebnisreich.
Für die Untersuchung wünsche ich dir gute Ergebnisse.

Kommentar Icon schön, dich zu lesen :)

kathy | 14.07.2006, 22:16

Oh, das klingt nach einer wirklich schönen und ereignisreichen Zeit, die du zu Hause hattest. Du hast die freien Tage ja wirklich bestens genutzt! Dass du es schön findest & zu schätzen weißt, dass sich dein Arzt so viel Zeit für deine Erzählungen nimmt liegt bestimmt auch daran, dass du selber auch so ein liebevoller Mensch bist, der sich Zeit für seine Mitmenschen nimmt und ihnen mit Interesse begegnet. Das spürten während dieses Kurzurlaubs bestimmt wieder sehr viele Menschen: Deine liebe und so tapfere Schwester Natalia, deine beste Freundin Kata, mit der du gemeinsam um Eure Freundschaft kämpfen konntest (freut mich sehr für Euch, dass Ihr Euch ausprechen konntet!), Sascha, deine Oma (der Fels in der Brandung :) ), deine wunderbare Mama, das ältere Ehepaar aus dem Bus am Rastplatz, dein Papa (dssen Handy sicherlich öfter gerufen hat: "Schalt mich ein, Sonja ruft gerade an!!") und auch Leo, die sich bestimmt von Herzen über den lila Luftballon und die Worte, die zu ihr zum Himmel gefloigen sind, freut. Für alle nimmst du dir Zeit und man spürt beim Lesen wie wichtig dir diese Zeit ist und wie gut sie dir tut :) Finde das einfach richtig toll!!

Die Idee von deinem Schwesterherz ist soo rührend. Bin ganz hin und weg davon! Es ist so schön, dass ihr einander habt! Auch sie bracht so viel Kraft und Mut in dieser Zeit. Sie schlägt sich richtig tapfer und Ihr zwei beide könnt stolz aufeinander sein!!

Lachen musste ich herzlich bei deiner Idee mit dem Korken. das wäre doch mal was *grins*. Beim morgenlichen Training auf dem Weg zur Toilette weiterhin viele Erfolge, hoffentlich bringt dich dein `Löwenherz´ auch hier weiter - du machst es alles ganz großartig: physisch und psychisch!

Für das Ergebnis der KM-Punktion wünsche auch ich dir das allerbeste!! Werde natürlich kräftig an dich denken!

Nun wünsche ich dir eine gute Nacht. Vermutlich schläfst du schon tief 6 fest nach dem anstrengenden Tag heute.

Einen lieben Drücker, Kathy

Kommentar Icon Die Autorin

Anke | 14.07.2006, 22:27

Liebe Sonja,
ich habe deinen so lebendigen Bericht mit grosser Betroffenheit gelesen, mit dir geweint und gelacht und nun wünsche ich dir ein gutes Ergebnis und vor allem Kraft, dass du auch diese Hürde wieder einigermassen schaffst. Die Siegerurkunde kommt dafür später .......eine Goldmedaille hast du verdient.
Ich denk an dich und drücke wieder kräftig die Daumen, dass alles gut geht.
Sei ganz lieb gegrüßt, Anke

Kommentar Icon Liebe Sonja

Julia | 15.07.2006, 09:50

Liebe Sonja,

es freut mich, daß Du Dich vom KH und vom Streß ein bißchen erholen konntest. Toll die Überrachung Deiner Schwester! Aber bitte red' nochmal mit Deiner Mutter/ Oma wegen des Essens Deiner Schwester. In eine Magersucht rutscht man unter gewissen Bedingungen leider viel zu schnell. Wie lange wird denn Deine Oma bei Euch bleiben? Sie ist ein toller Mensch und die Idee mit dem Luftballon war toll. Du hast eine großartige Oma!
Ich glaube auch, daß Dein Vater nicht böse mit Dir ist, sondern geschockt was alles seiner "kleinen"Tochter passiert ist. Und er ist böse mit den Typen. Für meinen Vater war es schon ziemlich schlimm, als ich mit 17/18 (!!!) wollte, daß mein damaliger Freund bei mir übernachtet. Dabei waren wir schon fast ein Jahr zusammen und mein Vater mochte ihn wirklich gerne. Aber die Vorstellung, was wir alles anstellen könnten und dann noch bei ihm zuhause, das wollte er einfach nicht. Wenn ich mir jetzt überlege, mir wäre sowas passiert wie Euch, da wär mein Vater auch mehr als wütend, geschockt und stinksauer mit den Typen!!!
Du bist bestimmt sehr erleichtert, daß Du mit Kata gesprochen hast? Sie hat doch toll reagiert, oder? Klar, daß sie am Anfang ein bißchen sauer war, aber dann habt Ihr doch über alles sprechen können.
Super, daß Du jeden Morgen merkst, daß Du auf die Toilette musst und daß Du jeden Tag einen Schritt näher ans Bad kommst Das wird wieder mit der Zeit!
Ich drücke Dir für den kommenden Chemoblock ganz feste die Daumen. Hoffentlich läufst Du diesmal ohne Komplikationen durch! Dann kannst Du auch schnell wieder für ein paar Tage nach Hause!

Ganz viele liebe Grüße,
Julia

Kommentar Icon ICH BIN WIEDER DA!!!! :-

Nici | 15.07.2006, 12:23

Hej Sonja!!!!
Ich hab jetzt erst mal in Ruhe deinen Bericht gelesen...jetzt werd ich mich an meinen eigenen Bericht der letzten Woche machen!!!
Kannst ja mal wieder vorbei schauen!!!
Freu ich, dass du so eine schöne Woche hattest!!!
Knuddel dich!!!
PS.: Ich hab an den Sand gedacht!!! :)

Kommentar Icon ach...

ute (mikesch) | 15.07.2006, 16:08

du plappermäulchen, wie schön, dass du so viel über die tage zu haus bzw. an der ostsee erzählst...

bestimmt lassen dich die ärzte und schwestern nicht so oft weg aus dem KH, weil sie dich so gern haben und du ihnen so fehlst ;). die sollen nicht so egoistisch sein und dich öfter in urlaub lassen... :-)

liebe heldin, es ist super, dass du dich inzwischen so gut arrangiert hast mit windeln, frischmachen und so weiter. korken...jaja.

deinen vater hat diese sache vermutlich ziemlich getroffen - schon ohne deine momentane lage, also schwere krankheit, wäre das schlimm, aber jetzt sind da sooo viele sorgen, die er sich macht.

es ist gut, dass du mit kata reden konntest.

beim lesen deines textes fiel mir so viel ein, was ich dir schreiben wollte, aber jetzt muss ich leider los - vielleicht kommt später noch ein nachtrag.

ich hoffe, dass das ergebnis der punktion okay ist, liebe sonja.
dir noch ein gutes wochenende und einen guten start in den chemo-block,

bis bald -
ute

Kommentar Icon dein neuer eintrag

ute (mikesch) | 15.07.2006, 16:10

dein vater interessiert sich unter garantie extrem dafür, wie es dir geht. er scheint auch etwas zeit zu brauchen. ich kann verstehen, wie weh dir das tut, dass er sich derzeit nicht bei dir meldet.

lass dich mal vorsicht von mir drücken, virtuell - auch wenn das kein ersatz ist...

vielleicht kannst du mit der psychologin ja mal über die sache mit deinem vater reden, was meinst du?

Kommentar Icon dein papa

kathy | 15.07.2006, 17:09

Sonja, was ist denn passiert? Ist etwas vorgefallen oder sorgst du dich vor allem, weil sich dein Papa noch immer nicht gemeldet hat?
Ich hoffe so sehr, dass er sich ganz bald meldet. Es wäre bestimmt wirklich gut, wenn du mit jeamendem über deine Gedanken reden kannst. Mit der Psychologin oder deiner Oma vielleicht. Die meisten Sorgen lösen sich schnell auf, wenn man darüber sprechen konnte.

Auch von mir eine sanfte und liebe Umarmung aus der Ferne!
In Gedanken bei dir, Kathy

Kommentar Icon Hey Baby

klaus | 15.07.2006, 18:20

Einen schön langen Bericht hast wieder abgelegt. Is irre was du da an zeit investierst. Großartig.

Schön dass es dir in den paar tagen sooooooo gut gegangen is und du wieder mächtig kraft schöpfen konntest. die kannst ja jetzt wieder brauchen in den nächsten tagen.

Und ich bin zuversichtlich das die punktion ein ergebnis liefert mit dem du froh sein kannst.

Nicht so erfreut bin ich über deinen Dad, obwohl, ich bin ja selber Vater, ich ihn irgendwie verstehen kann. Man ist in solchen ausnahmesituationen doch sehr sehr hilflos. ich würde am liebsten meinen Kindern alle schmerzen der welt wegnehmen und für mich beanspruchen, solang sie glücklich sein können. ich würde am liebsten alles übel von ihnen fernhalten nur damit sie ihr leben leben dürfen wie sie es gerne möchten...und doch müssen wir alle immer wieder meren, dass uns grenzen gesetzt sind die wir nicht überschreiten können.

und ich denbk dass es bei deinem Dad das gleiche ist, er sit der situation nur sehr schwer gewachsen....versuch ihn zu verstehen und vertrau darauf dass er sich meldet....gib ihm zeit kraft zu bekommen....ich weiß das du sehnsucht nach ihm hast und ihn brauchst...er wird das gleiche empfinden....nur schafft er es noch nicht....,

ich drück dich...

klaus

Kommentar Icon

Nici | 15.07.2006, 18:46

Liebe liebe Sonja!!! Bitte verzweifle nicht an dem Gedanken, dass dein Papa dich nicht mehr lieb haben könnte!!!
DAS IST NICHT SO!!!! Er hat dich ganz schrecklich lieb und wird auch ganz bald wieder für dich da sein!!! Bitte bitte sei nicht so traurig!!! Ich glaube ganz fest daran, dass er bald zu dir kommt!!!!
Und wenn du es gar nicht aushältst dann ruf ihn doch auf Arbeit an....das IST ein Notfall!!!
Ich drück dich ganz lieb!!!
Deine Nici

Kommentar Icon Dein Papa

Laura | 15.07.2006, 18:59

Liebe Sonja,
ich kann mir vorstellen, dass du deinen Papa sehr vermisst! Er braucht wohl ein bisschen Zeit! Sprich doch noch mal mit deiner Mama darüber! Und ich würde mich an deiner Stelle auch an die nette Psychologin wenden!
Aber bitte red dir nicht ein oder glaube nicht, dass dein Papa dich nicht lieb hat oder es ihn nicht interessiert wie es dir geht! Ganz im Gegenteil!
Ich wünsche dir und bin mir sicher, dass er sich bald melden wird!
Kopf hoch!

Kommentar Icon Gute Nacht...

Laura | 15.07.2006, 22:21

...liebe Sonja! Schlaf schön und träum was Schönes! Ich denk an dich! Das mit deinem Papa renkt sich sicher sehr bald wieder ein!
Liebe Grüsse, Laura

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